Tauriska Festival 2022

Nachhaltiges Leben, Klimabewusstsein, das Projekt „SchafOhrMarke“ sind die Schwerpunkte der Kulturarbeit vom Verein TAURISKA in Neukirchen/Gr.Ven. Auch der Leopold Kohr-Preis wird wieder für beeindruckende Leistungen vergeben. 

Seit über drei Jahrzehnten hebt TAURISKA kulturelle Schätze in der Region und fördert Projekte in großer Bandbreite. Der Verein unterstützt zukunftsweisende Lebensmodelle und stärkt das Umweltbewusstsein. Letzteres unterstreicht man jetzt mit einem kleinen Detail: Zu den schon legendären „Kohr-Cafés“ bringen die BesucherInnen künftig ihr eigenes Kaffeehäferl mit. Der „ökologischen Fußabdruck“ eines jeden, der heute in aller Munde ist, war bei diesem Verein bereits vor 30 Jahren ein Thema. Und die Selbstversorgung auch. Die hatte schon Leopold Kohr (1909-1994) angeregt, der bestimmend geblieben ist für die Arbeit und geistige Haltung der TAURISKA-Geschäftsführer Susanna Vötter-Dankl und Christian Vötter. Seine Liebe zur Kleinheit („Small is beautiful“) floss in viele ihrer Projekte. Und tut es bis heute. Dass die wahre Größe oft im Verborgenen liegt, zeigt der „Kultur-Dialog 2022“: In dem stehen im Herbst die beweglichen Figurengruppen des ehemaligen Knechts „Steinberg Thoma“ im Mittelpunkt. Handwerk, Kirtage, Leben in der Agrargesellschaft hat er im letzten Jahrhundert mit Messer, Laubsäge und Zirbenholz in bezaubernder Weise erschaffen.   

Von der Strickkunst bis zu modernen Sprachexperimenten
Da flogen die Nadeln nur so von Reihe zu Reihe: Bei der Lisl Fanderl (1922-1999), deren Strickbücher zu Erfolgsschlagern wurden. Und weil sie im Februar ihren 100. Geburtstag gefeiert hätte, wird dort an sie gedacht, wo sie geboren wurde: im Bergbaudorf Hütten in Leogang. Nicht Maschen, sondern gut gewählte Wörter bestimmen wieder das Festival „Literatur findet Land“. Es geht von 23. bis 26. Juni in Neukirchen in die vierte Runde und stellt abermals hochkarätige AutorInnen österreichweit und Innergebirg vor. So wird u.a.; die Autorin Andrea Grill ebenso der Autor des Bestsellers „Herrn Kukas Empfehlungen“, Radek Knapp; und auch die Oberpinzgauer Poetry-Slammerin Anna-Lena Obermoser. Bei der „Lesebühne“ von Marlene Hachmeister können BesucherInnen sogar selbst zu AkteurInnen werden: Das Geschriebene (auch der Autorin) wird zeitgleich auf einen Bildschirm projiziert und von einem Musiker künstlerisch interpretiert. So kommen jedes Jahr bei diesem Festival neue Ausdrucksformen hinzu. 

Das Projekt SchafOhrMarke – eine Erfolgsstory 
Schaf, Ohr, Marke: Diese drei Worte waren der Ausgangspunkt für ein Kulturprojekt von TAURISKA gemeinsam mit der Leaderregion Nationalpark Hohe Tauern, dass die Segnungen des Schafes über die Jahrhunderte beleuchtet. Angefangen hatte alles mit historischen Aufzeichnungen der Einritzungen – der „Schafmorch“ – zwecks Kennzeichnung der Schafe im Pinzgau. Entstanden ist ein breit angelegtes Projekt, das die Bauernschaft ebenso einschließt wie KünstlerInnen, WissenschafterInnen, SchülerInnen, LiteratInnen, Köche, Filmer, AutorInnen. Querverbindungen reichen bis nach Südtirol – zu Richard Vill, dem Präsidenten der „Europäischen Textilakademie“. Der wird im über die Wolle, über die Defregger Teppiche und deren Schafsbezug berichten. Im Frühjahr wird die Landjugend Saalfelden ihr Büchlein vorstellen mit dem Titel: „Haarschaf – Komme was WOLLE – wir SCHAFen das!“ Welche wichtige Rolle das Lamm in den Weltreligionen spielt, das wird im April der Salzburger Künstler Karl Hartwig Kaltner aufzeigen. Den Genuss des Schaffleisches mit allen Sinnen erlebbar zu machen, das haben sich der Koch Rudi Pichler und der Filmemacher Simon Tasek vorgenommen. Vom Wollfett, das die Brustwarzen während der Stillzeit schützt wird der Wissenschafter Michael Malkiewicz erzählen. Das Filzen kann man im Juli bei einem Workshop im Salzburger Wollstadel in Bramberg erlernen. Im August wird die Jahresausstellung „SchafOhrMarke“ mit einer Finissage mit einem sehr kreativen Abschlussfest beendet. 

Gletscherschwund, G’sundes, G’scheites – und als Glanzpunkt der Kohr-Preis
Im Rahmen eines akademischen Wirtshauses wird Günther Witzany sein neuestes Buch “ Leopold Kohr verstehen“ vorstellen. Der Kulturmission der USA in Österreich nach dem Zweiten Weltkrieg widmen die Universitätsprofessoren Reinhold Wagnleitner und Günter Bischof am 14. Juni 2022 ein Symposium mit dem Titel „Coca-Colonisation und Kalter Krieg“ im Hörsaal der Universität Salzburg. Die „7. Krimmler Theaterwanderung“ gedenkt der jüdischen Flucht über die Berge. In Tagestouren am 24., 25. und 26. Juni, sowie am 1. und 2. Juli geht es dabei ins Krimmler Achental, was von „Teatro Caprile“ wieder interaktiv begleitet wird. Das Haltbarmachen von Lebensmitteln demonstriert man in den Naturwerken in Hollersbach und im September können Sie die Rezeptur der „Apfeltrester-Taler“ erfahren. In diesem Monat sind auch die Mundartlesung „Niedernsiller Stund“ sowie das „Komponisten Forum“ in Mittersill angesagt. Ebenso die bereits vierte „Leopold-Kohr-Summerschool“: In der wird der deutsche Volkswirt und Kohr-Preisträger Niko Paech „postfossile Mobilität“ vorstellen – mit Lastenfahrrädern und Pferdekraft, etwa für den regionalen Tourismus. Dem Gletscherschwund ist die Ausstellung „Schöne Aussichten“ von Thomas Stadler aus Oberndorf über die Sulzbachtäler gewidmet. Auch im Oktober findet mit dem „Zukunftslabor Salzburg“ eine Veranstaltung zum Thema „Ideen für Klimaschutz und soziale Innovation“ statt. Am 5. Oktober, Kohrs Geburtstag in Oberndorf bei Salzburg, werden in der Bibliotheksaula der Universität Salzburg dann der Leopold Kohr-Preis sowie der Kohr-Förderpreis an zwei Menschen mit beeindruckenden Sozialprojekten vergeben. Im November folgt ein Volksmusiklehrgang und im Dezember die Adventlesung „Schreib’s auf“ – beide in Neukirchen. „Änderungen sind in Coronazeiten natürlich nicht auszuschließen“, räumen die Vötters ein. Ihnen ist es ein großes Anliegen, „dass die Auftritte und Möglichkeiten für KünstlerInnen nicht zum Stillstand kommen und die ganze Vielfalt erhalten bleibt“. Man stelle sich den digitalen Herausforderungen, hoffe aber, bald wieder das direkte Erleben bei allen Veranstaltungen möglich machen zu können. 

Text: Christine Schweinöster

Literatur findet Land 2022 -Autor_innen und Künstler_innen
  • Radek Knapp
  • Anna-Lena Obermoser
  • Matthäus Bär
  • Irmgard Kramer
  • DODA: Anna-Lena Obermoser und Sarah Dragovic
  • Gabriele Kögl (Einführung: Karin Peschka)
  • Clemens Berger
  • Thomas Mulitzer
  • dielesebühne (Marlene Hachmeister, Angelika Stallhofer und Musik: Thomas Féanis)
  • Andrea Grill
  • Harald Darer
  • Florian Gantner und Alfred Bushi (Gitarre)