Tauriska Festival 2026
Dieses Jahr steht ganz im Zeichen des Jubiläums von „40 Jahre TAURISKA und Leopold Kohr-Akademie“ in Neukirchen am Gr. Ven.
Es ist für die TAURISKA-Leiter Susanna Vötter-Dankl und Christian Vötter sowie für ihr Publikum ein ganz besonderes Jahr – und damit Anlass zu feiern, zurück zu blicken und mit Zuversicht in ein neues Jahrzehnt zu starten.
Zunächst ist das Jahresprogramm wieder eine bunte Mischung aus Unterhaltung, Bildung und kulturellen Genüssen. Noch bis Mitte April ist im Kammerlanderstall in Neukirchen eine Karikatur-Ausstellung der Oberpinzgauer:in Doris Schamp sowie Franz und Gerhard Stotter zu sehen. Ihre Cartoons sind humorvoll und ein Spiegel unserer Zeit. Bei einem Workshop mit Schamp am 20. Februar um 19.00 Uhr kann diese Kunst auch selbst ausprobiert werden. Am 6. März sind von 10.00 bis 15.00 Uhr Führungen durch die Schau möglich. Nach dieser wird an einen begnadeten Fotokünstler erinnert, der die Salzburger Medienlandschaft mehr als drei Jahrzehnte maßgeblich geprägt hat: Walter Schweinöster (1958-2019) aus St. Martin bei Lofer.
„WOS OFT?“ Ausstellung über Walter Schweinöster mit Musik der „Querschläger“
Landauf, landab war er als Pressefotograf bekannt. Gewandt und diskret bewegte er sich auf den gesellschaftlichen Bühnen, immer auf der Suche nach guten Motiven. Seine Bilder sind kraftvoll, symbolträchtig, originell. Sie waren auf vielen Titelseiten zu sehen und Teil seiner „Querland“-Ausstellungen. Feststimmung, Alltag, flüchtige Momente wurden da in besonderer Weise eingefangen und ergeben zusammen einen riesigen Schatz an Zeitdokumenten. Tafeln über sein Leben und Schaffen führen durch die Schau. Diese zeigt zudem seine zweite Leidenschaft – die Malerei. Auch bei ihr wird die starke Beziehung zum Pinzgau deutlich. Der oft eingebaute Dialektausdruck „Wos oft?“ unterstreicht dies als Gag. Er liebte den Humor, scheute aber auch keine Konflikte. Engagiert bezog er stets in der Gesellschaft Stellung. Vernissage ist am 25. April um 19.30 Uhr im Kammerlanderstall mit der Kultband „Querschläger“ (Reservierung erforderlich). Theatermacher Charly Rabanser (Laudatio) und SN-Redakteur Heinz Bayer werden über ihren Weggefährten erzählen. Über diesen zeigen die Salzburger Iris Schweinöster und Josef Kugler ein sehr lebendig gestaltetes Video mit Freunden, Kollegen, Bild- und Filmausschnitten. Die Schau ist bis Ende des Jahres zu sehen.
„Einihorchen & Zualosn“ mit Charly Rabanser im Kammerlanderstall
In seiner vierteiligen Lesereihe mit verschiedenen musikalischen Begleitungen versucht Charly Rabanser Menschen auf Reisen mitzunehmen … die wahren Abenteuer sind bekanntlich im Kopf! Der Start erfolgte bereits im Jänner anlässlich des vierzigsten Geburtstages des Kulturvereins „Tauriska“.
Die nächste Lesung am 20. Juni ist dem 2007 verstorbenen Pionier des Austropops Georg Danzer gewidmet. Mit der Neukirchner Band „Changes“, die den musikalischen Teil übernimmt, bringt Rabanser Danzers Konzeptalbum „Der Tätowierer und die Mondprinzessin“ erstmals auf eine Bühne im Salzburger Land.
Von seiner abenteuerlichen Reise, die auf den Tag genau vor 50 Jahren begonnen hat und die sein Leben nachhaltig verändern sollte, erzählt er am 2. November. Musikalischer Begleiter wird Markus Marageter sein, der mit Charly auch den „Tschapo“ aus der Taufe gehoben hat.
Der Lesereigen, der jeweils um 19 Uhr beginnt, schließt am 2. Dezember mit einer Gedenkveranstaltung für Tobias Reiser, mit dem Titel „Auf der Suche nach …“. Zusammen mit seinem langjährigen Wegbegleiter HP Röck und dessen Musi-Ziehkindern Max und Selina Wallner soll Tobias Reiser ein würdiges Fest zum 80. Geburtstag gestaltet werden.
Regionale Jubiläumsfeier mit KI-Überraschung
Der Festakt im Kammerlanderstall am 18. Juli ab 16.00 Uhr ist ein bunter Stimmungs-Mix. Vorgestellt wird eine umfassende Dokumentation über die Kulturarbeit der letzten vier Jahrzehnte. Diese Zeitspanne lassen Iris Schweinöster und Josef Kugler in einem Video mit O-Tönen der Vötters Revue passieren. Für Musik sorgen das „Tauernecho“ und das „Kohr-Gitarrenquartett. Alfred Winter, der den Grundstein für die kulturelle Bewegung 1983 mit dem Arbeitsheft „Verwirklichung des Nationalparks Hohe Tauern“ setzte, gründete 1986 mit Leopold Kohr zudem auch den Kulturverein Tauriska. Er wird beim Festakt plaudern …
Dann kann das Publikum in zwei gänzlich unterschiedliche Welten eintauchen: in jene des Schnitzers Steinberg Thoma (1909-1997) und – gefühlte Lichtjahre entfernt – in die Sphäre künstlicher Intelligenz. Letztere kann jeder/jede mit einem eigenen Foto ausprobieren. Der Steinberg Thoma, der noch ohne Strom aufgewachsen war, würde darüber schmunzeln und verwundert den Kopf schütteln. Dabei ist der einstige Knecht heute selbst zu einer Internet-Erscheinung geworden. Dies durch sein mechanisches Figurenspiel, das Dank Engelbert Zlöbls Renovierung wieder rund läuft. Tafeln über das Leben und Wirken des Volkskünstlers – gestaltet von Christine Schweinöster aus St. Martin bei Lofer – führen durch die Schau. Zur Thoma-Ausstellung hat der in Wien lebende Oberpinzgauer Peter Fritzenwallner moderne Malereien geschaffen. Als Kontrast zu Thomas‘ Handarbeit zeigt er in diesen etwa die technisierte Arbeitswelt von heute. Zu sehen sind auch jene feinfühligen Aquarelle, die Katharina Zlöbl (1963-2025) zur Person des Steinberg Thoma gemalt hat.
Hommage an Katharina Zlöbl
Auch diese ist Teil der Jubiläumsfeier in Neukirchen. Engagiert hatte Katharina Zlöbl TAURISKA-Projekte mit ihrer Kunst bereichert. So schuf sie zum Thema „SchafOhrMarke“ beeindruckende Fellbilder über „das Buch der sieben Siegel“. Diese, sowie dazugehörige Skulpturen ihres Gatten Engelbert, sind im Kammerlanderstall ausgestellt. Zlöbls Lebensweg war ungewöhnlich und sehr konsequent. Er führte vom Bergbauernkind in Neukirchen zur Doktorin der Philosophie; von der Sängerin zur Malerin. „Wenn ich male, zählt nur der gegenwärtige Moment“, meinte diese starke Persönlichkeit. Früh hatte sie lernen müssen, Verantwortung für ihre sechs jüngeren Geschwister zu übernehmen. Ihren künstlerischen Stil entwickelte sie anlässlich eines Kunststipendiums in den USA. Inspiriert wurde sie dort besonders von Sioux und Cheyenne in den Indianerreservaten in Minnesota. Es folgten zahlreiche Ausstellungen, etwa in Salzburg, Hallein und Berlin. „Ihre Liebe, Ausdauer, Energie und Leidenschaft für die Menschen, das Leben und die Kunst lebt in ihren Freunden und Verwandten weiter“, betonen die Vötters.
Jubiläums-Festakt in der Stadt Salzburg mit Vergabe des Leopold Kohr-Ehrenpreises am Do 25. Juni 2026 von 16.00 bis 19:00 Uhr in der Universitätsbibliothek der Universität Salzburg
Der Kohr-Preis wird alle drei Jahre für soziale, kulturelle oder ökonomische Projekte, die der Philosophie Kohrs entsprechen, verliehen. Den Leopold Kohr-Ehrenpreis wird der Verkehrsexperte Hermann Knoflacher entgegennehmen. Der Automobil-Kritiker mit dem Beinamen „Fußgehervertreter“ setzte über die Jahrzehnte auf Aktionismus, um vor den Folgen des Autos für Mensch und Umwelt zu warnen.
Der Salzburger Literat Walter Müller wird die bewegten Kulturjahre von TAURISKA schildern und das „Kohr Guitar Quartett“ eine Komposition von Agustin Castilla-Àvila uraufführen. Der spanische Komponist hat dieses sechsminütige Werk eigens zum Kohr-Buch „Das Ende der Großen“ geschaffen.
Kohr hat seinen wichtigen Platz bei TAURISKA, an der Uni und im Kohr-Archiv
Leopold Kohr war eng mit Kunst und Kultur verbunden. Er wollte eigentlich Theaterkritiker werden, bis ein Gehörsturz diesem Traum ein Ende bereitete. Vor 40 Jahren war er Mitbegründer des Kulturvereins TAURISKA in Neukirchen. 2008 wurde das Kohr-Archiv eröffnet, das Karl-Hartwig Kaltner künstlerisch gestaltete. Kohrs Thesen werden an der Universität im Haus der Gesellschaftswissenschaften erforscht, wo auch das Kohr-Archiv untergebracht ist. Dieses ist am „Tag der Archive“ am 10. Juni von 10.00 bis 12.00 Uhr für alle Interessierten einsehbar. Dort findet zu dieser Zeit auch der Vortrag „small is art*ful. Leopold Kohr und die Kunst“ statt.
Auch an vielen anderen Plätzen wird Kohrs Gedanken präsent. So beschäftigte sich 2025 eine Ausstellung in der Salzburger Berchtoldvilla mit dem Thema„ 8 Milliarden“ – und damit mit dem Thema „Über-Größe“, von der Kohr immer gewarnt hatte. Kuratorin Andrea Lacher-Bryk berichtet darüber beim Tag der Archive und schuf selbst künstlerische Arbeiten zu Kohr.
„Zommsitzn & Hoagaschtn“
„Literatur findet Land“, dieses beliebte Literaturfestival, das seit sieben Jahren unter der künstlerischen Leitung von Florian Gantner steht, verspricht auch heuer wieder viel Spannung. Bekannte und noch weniger bekannte urbane Schriftsteller:innen werden von 11. bis 13. Juni wieder prominent zu Wort kommen.
Außerdem gibt es abermals die bewährten Lese-Schienen „Niedernsiller Stund‘ im Samerstall in Niedernsill und „Schreib´s auf“ im Dezember im Kammerlanderstall. In einer Online-Gesprächsrunde wird das Thema „Kunst und Kultur auf Rezept“ diskutiert. Dabei geht es um die Möglichkeit, durch kulturelle und geförderte Angebote Menschen aus Isolation, Stress und psychischer Belastung zu helfen.
„Kohr-Cafés“ und „Kohr-Akademische-Wirtshäuser“ finden auch dieses Jahr wieder zu unterschiedlichsten Themen an diversen Orten statt. „Die Zukunft der Regionalkultur“ ist am 27.8. im Haus der Volkskulturen in Salzburg angesagt. Am 16. April folgt um 17.00 Uhr in der Salzburger Berchtoldvilla eine Lesung des H.-C. Artmann-Preisträgers Erwin Einzinger mit dem Titel „Blick auf das Kleine im Großen“.
Eine kräuterinteressierte Gruppe beleuchtet am 7. August von 10.00 bis 13.00 Uhr in der Werkstatt von Christine und Klaus Hochwimmer in Mühlbach/Bramberg die Heilkraft und Überlieferung der Kräuterbuschen. Im „Fort Kniepass“ in Unken beschäftigt man sich am 4. September von 10.00 bis 13.00 Uhr mit „Fermentieren an der Grenze “, wirft gemeinsam mit der Ernährungswissenschafterin Karin Buchart in den Fermentierkeller des Forts und erfährt mehr über dieses Erlebniszentrum (Anmeldung erforderlich).
Auf einen literarisch-philosophischen Spaziergang begibt man sich zu Kohrs Geburtstag am 5. Oktober ab 14.00 Uhr in Oberndorf, seinem Geburtsort. Dass sich dabei Kohrs Geschichte, Poesie und Philosophie in humorvoller Weise treffen, dafür sorgt der Schriftsteller Walter Müller.
„Brot ist Leben“, Spitzenkoch Rudi Pichler gibt am 18. Oktober 2026 um 16.00 Uhr im Bauchladen in Salzburg (frauenanderskompetent) Einblick in die Brotgeschichte, bäckt einen Urgetreidelaib, der anschließend verkostet wird.
Kreuz und quer geht es weiter – mit Textilhandwerk, Musik, Planetenwirkung
Eine einzigartige Produktvielfalt bietet wieder das „Internationale Festival für textiles Handwerk, textile Kunst und Design“ von 20. bis 22. März in Bozen. Hier ist auch der Sitz der „Europäischen Textilakademie“, in der TAURISKA-Geschäftsführerin Susanna Vötter-Dankl Vorstandsmitglied ist. Zahlreiche Kooperationen sind dabei in der Achse Oberpinzgau-Südtirol schon entstanden.
TAURISKA beteiligt sich abermals am „Internationalen Pinzgauer Gitarren-Festival“ des Vereins ADEMA von 8. bis 10. Mai im Raum Neukirchen/Krimml.
Weiters geplant ist ein Vortrag über das „Planetenwirken im Lebenslauf und in der Musik“: Der Pianist Marcus Schneider aus Basel will den Besuchern am 7. Juli um 19.30 Uhr im Kammerlanderstall das Wirken der Planeten auf den Menschen über Töne und Sprache verständlich machen.
Der seit Jahren beliebte „Volksmusik-Lehrgang“ ist heuer wieder von 9. bis 11. Oktober im Hotel Steiger in Neukirchen angesagt. Organisiert von Dominik Meißnitzer, steht die Freude an echter Volksmusik im Mittelpunkt.
Symposium und Summerschool
Die heurige „Summerschool“ in Salzburg wiederum geht am 10. September 2026 von 16.00 bis 19.00 Uhr in der Stieglbrauerei der Frage nach, welche Technologien eine zukunftsfähige Regionalentwicklung unterstützen: Wo sind Grenzen der Digitalisierung sinnvoll und wo stärkt es die regionale Resilienz? Gemeinsam mit Referent_innen suchen wir nach Beispielen für einen maßvollen, menschengerechten Umgang mit Technik.
Über das Wohlfühlen, Heilen – und 20 Jahre Obstpresse Bramberg
„Waldbaden“, eine Reise für alle Sinne, führt TAURISKA am 3. Juli von 9.00 bis 13.00 Uhr zum Neukirchener Untersulzbachwasserfall. Entlang des Wasserfallweges lassen die Teilnehmer:innen den Duft und die Schönheit heimischer Pflanzen auf sich einwirken, ebenso das Rauschen des Wassers und die Kühle der Bäume. Intensiv gespürt wird die heilsame Wirkung der Natur.
Dann gibt es noch ein weiteres TAURISKA-Jubiläum, nämlich bei der Bramberger Obstpresse. Sie liefert den Bewohner:innen seit genau 20 Jahren den herrlichen Saft ihrer eigenen Äpfel. Verarbeitet werden auch die Abfälle, genannt Apfeltrester, und dies zu nährstoffreichem Apfelpulver. Einblick in die Arbeit der Obstpresse kann am Tag der offenen Tür, am Samstag, den 29. August von 10:00 bis 15.00 Uhr, bei einer Führung gewonnen werden.