„Small is beautiful“ – Ausgewählte Schriften aus dem Gesamtwerk

Verlag: Deuticke im Zsolnay Verlag, München, (1999)
ISBN: 978-3-2163-0105-5

Es ist wohl nicht ganz richtig, von “professionellen Akademikern” – den Stützen institutionalisierter Gelehrsamkeit – in Bausch und Bogen zu behaupten, daß es ihnen nur selten gelinge, die Grenzen ihres Fachs zu überschreiten, und die Funktion von “Whistleblowers” einzunehmen, indem sie früher als andere Risiken der technologisch-sozialen Entwicklung erkennen, davor warnen und Alternativen benennen. Und doch haben viele dieser ebenso wichtigen wie raren Persönlichkeiten, die – man wird sich dessen vor allem bei der Lektüre von Büchern wie diesem bewußt – etwas Prophetisches und ganz und gar Unakademisches an sich: Leopold Kohr gehört zu ihnen ebenso wie Robert Jungk oder John Seymour, dessen launige Laudatio auf Leopold Kohr aus Anlaß der Verleihung des Ringes durch das Land Salzburg im Jahre 1981 diesen Band eröffnet. Er enthält zudem zentrale Passagen aus den Hauptwerken Kohrs “The Breakdown of Nations” (1957) dt. “Das Ende der Großen”], “The Overdeveloped Nations” (1962) dt. “Die überentwickelten Nationen”] und “Freedom from Government” [“Weniger Staat”]  (1965), aber auch eine Reihe von Aufsätzen, die mit dieser Ausgabe erstmals in deutscher Sprache vorgelegt werden. Zu letzteren zählt etwa Kohrs Plädoyer für das “Akademische Wirtshaus”, das genaugenommen zu jeder guten Wissenschaft gehört und gewissermaßen eine naturgesetzliehe Erscheinungsform produktiv-geselligen Gedankenaustauschs sein sollte; folgt man den an Klarheit, Verständlichkeit und Überzeugungskraft kaum zu übertreffenden Ausführungen Kohrs, müßte man Akademische Wirtshäuser in etwa so häufig vorfinden wie die einschlägigen Versorgungsstationen diverser Fastfood-Ketten; daß dem bekanntermaßen nicht so ist, stellt dem Denken in unserer Zeit nicht eben ein gutes Zeugnis aus. Daß Leopold Kohr schließlich auch beachtliches Talent als Romancier hatte, belegt “Der Herzog von Buen Consejo”. Hier zeigt sich, daß guter Rat in der Tat nicht teuer und die Ökonomie der (lebenswerten) Entwicklung auf lokaler Ebene ebenso einfach wie selbstverstälndlich sein kann. Gerne hätte man erfahren, wer für diese ausgewogene und in Stunden der EU-Katerstimmung aktuelle Textauswahl verantwortlich zeichnet. Ein Blick in den diesen Band beschließenden Lebenslauf von Leopold Kohr läßt vermuten, daß Kohr-Biograph Gerald Lehner sich der Aufgabe angenommen hat.